Hagebau.de verwendet Cookies um ein besseres Nutzererlebnis zu bieten. Wenn Sie hagebau.de nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos

Bauschaum – verschiedene Arten und ihre richtige Verwendung

Bauschaum wird unter anderem beim Einbau von Fensterrahmen und Türzargen verwendet. Welche Unterschiede gibt es zwischen Einkomponenten- und Zweikomponenten-Bauschaum? Welche Einsatzgebiete hat Bauschaum und wie verarbeiten Sie den Schaum fachgerecht? In unserem nachfolgenden Ratgeber haben wir zahlreiche praxisrelevante Infos zu Bauschaum leicht verständlich für Sie aufbereitet.

Was ist Bauschaum? Wofür wird er verwendet?

Bauschaum an Türrahmen

Bauschaum, vielfach auch Montageschaum oder Isolierschaum genannt, wird zum Beispiel beim Einbau von Fenstern und Türen, zum Abdichten von Fugen oder zum Kleben sowie Dämmen verwendet. Die meisten Bauschäume werden auf Basis des Kunststoffs Polyurethan (kurz PU) hergestellt. Entsprechende Montageschäume werden deswegen teilweise ebenso als PU-Schaum oder PUR-Schaum bezeichnet. Ein wesentliches Merkmal von einigen Bauschäumen ist ihr starkes Quellverhalten. So lassen sich mit den Schäumen selbst schwer zu erreichende Hohlräume füllen. Weiterhin weisen spezielle Bauschäume gute Wärmedämmeigenschaften auf. Entsprechend wird Dämmschaum zum Beispiel zum Ausschäumen des Bereichs zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk verwendet. Mit Bauschaum können Sie aber ebenso einige Materialien effektiv verkleben. Einige Montageschäume verfügen gleichzeitig über klebende, quellende und dämmende Eigenschaften. Dies macht die Schäume zu einem überaus vielseitigen Allround-Material. Spezielle Zargen-Bauschäume zum Einbau von Türen und Fenstern haben außerdem gute Schalldämmwerte. Bei der Verwendung von Zargen-Bauschaum entsteht folglich keine „Schallbrücke“ zwischen Mauerwerk und Fenster. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Einbau von Fenstern erhalten Sie hier. Hat Bauschaum ausgehärtet, ist dieser in der Regel beständig gegen Feuchtigkeit und viele Reinigungs- und Lösungsmittel. Nicht beständig sind hingegen die meisten Bauschäume gegen UV-Strahlung. Im Gegensatz zu anderen Dämmstoffen wie Holzwolle oder Kork kann Bauschaum nicht faulen oder verrotten. Allerdings eignet sich Bauschaum nicht zur Dämmung von größeren Flächen. Erfahren Sie hier, wie Sie Innenwände selber dämmen.

Einkomponenten- und Zweikomponenten-Bauschaum – Unterschiede, Vor- und Nachteile

Bauschaum sprühen

Bauschaum-Produkte lassen sich grob in die Kategorien Einkomponenten- und Zweikomponenten-Bauschäume einteilen. Einkomponenten-Bauschaum benötigt im Gegensatz zu Zweikomponenten-Bauschaum keinen extern zugeführten Härter und lässt sich direkt aus der Sprühdose verarbeiten. Dies macht die Anwendung des Schaums einfach. Damit sich der in der Dose befindliche Härter und der Bauschaum optimal vermischen, müssen Sie die Dose vor Gebrauch gut schütteln. Die Aushärtung des Schaums wird durch den Kontakt mit Luftfeuchtigkeit oder/und die Aufnahme von Feuchtigkeit aus dem Montageuntergrund eingeleitet. Beim Aushärten entsteht das Gas CO2, das für den Quellvorgang des Bauschaums verantwortlich ist. Besonders bei niedriger Luftfeuchtigkeit und niedrigen Temperaturen kann es sinnvoll sein, die Montage-Kontaktflächen vor der Anwendung des Bauschaums leicht anzufeuchten. So härtet Einkomponenten-Bauschaum schneller aus. Bei Zweikomponenten-Bauschäumen ist der Bauschaum in den Dosen noch nicht mit dem Härter gemischt. Um Zweikomponenten-Bauschaum aushärten zu lassen, müssen Sie den Härter extern zuführen bzw. diesen in der Dose aktivieren. Ist der Härter bereits in nicht aktiviertem Zustand in einem separaten Gefäß innerhalb der Dose enthalten, wird dieser, je nach Hersteller, auf unterschiedliche Weise aktiviert. Eine Variante ist die Aktivierung über eine Drehbewegung am Boden der Dose. Andere Hersteller führen Härter und Bauschaum vor dem Auftragen in einem Mischrohr zusammen. Ist der Härter mit dem Bauschaum in Kontakt gekommen, bleibt für die Verarbeitung oft nur eine relativ kurze Zeitspanne. Dies kann im Vergleich zu Einkomponenten-Bauschaum ein Nachteil sein. Allerdings härtet Zweikomponenten-Bauschaum meist fester und gleichmäßiger aus als Einkomponenten-Schaum. Daher wird der Schaum oft für Montagearbeiten verwendet, bei denen eine hohe Festigkeit des Montageschaums erforderlich ist. Hierzu zählt zum Beispiel der Einbau von Haustüren. Wie Sie eine Haustür einbauen, erfahren Sie hier.

Bauschaum mit reduziertem Gehalt an Isocyanat

Viele Bauschäume setzen insbesondere beim Aushärten Isocyanat bzw. Methylendiphenylisocyanate frei. Methylendiphenylisocyanate (kurz MDI) sind möglicherweise krebserregend und können zudem Haut- und Schleimhautreizungen verursachen. Bauschaum mit einem Gehalt von mehr als 1 % MDI muss mit dem Hinweis „Achtung! Kann vermutlich Krebs erzeugen“ (Hinweis H351) gekennzeichnet sein. Viele Hersteller vom Bauschaum haben auf die Gesundheitsgefahren durch MDI reagiert und bieten deshalb Schäume mit reduziertem MDI-Gehalt an. Allgemein gelten Bauschäume mit einem MDI-Gehalt von 0,1 bis weniger als 1 % als isocyanatreduzierter Bauschaum. Sie können aber auch Bauschäume mit einem MDI-Gehalt von weniger als 0,1 % kaufen. Spezielle Montageschäume enthalten sogar gar kein freies MDI mehr, da dieses chemisch gebunden ist.

Entflammbarkeit von Bauschaum

Wie andere Baustoffe sind Bauschäume mit Baustoffklassen gekennzeichnet. Die Zuteilung der Baustoffklassen richtet sich nach der Entflammbarkeit des Baustoffs und dem Brandverhalten. Grundlage für die Zuteilung ist die Norm DIN 4102. Konkret wird Bauschaum in die Baustoff- bzw. Brandschutzklassen B3 bis B1 eingeteilt. Bauschäume der Klasse B3 sind sehr leicht entflammbar und dürfen daher bei Neubauten und Renovierungsarbeiten in der Regel nicht verwendet werden. Schäume der Klasse B2 sind normal entflammbar und können bei einem Brand toxische Gase freisetzen. Für besonders feuergefährdete Bereiche wie die Montage von Feuerschutztüren muss meist schwer entflammbarer Bauschaum der Klasse B1 verwendet werden.

Tipps zur richtigen Verwendung von Bauschaum

Bauschaum um ein Rohr
  • Schütteln: Schütteln Sie Dosen mit Einkomponenten-Bauschaum vor der Anwendung gründlich. Drehen Sie die Dose dabei auf den Kopf.
  • Anfeuchten: Feuchten Sie Kontaktflächen vor der Verwendung von Einkomponenten-Bauschaum am besten etwas an. So härtet der Schaum besser aus und es bilden sich weniger Hohlräume.
  • Spreizdruck beachten: Teilweise entwickelt Bauschaum beim Aufquellen einen so starken Druck, dass Bauteile wie Fensterrahmen und Türzargen beschädigt werden können. Verwenden Sie bei druckempfindlichen Bauteilen spreizdruckfreie Bauschäume, die weniger Druck entwickeln. Wie Sie eine Tür selbst einbauen, können Sie hier nachlesen!
  • Keine Dreiflankenhaftung: Damit bei Bewegungen in Fugen keine Risse im Bauschaum auftreten, darf der Bauschaum nur an den beiden Flanken der jeweiligen Bauteile haften. Um eine Dreiflankenhaftung zu vermeiden, können Sie zum Beispiel Folie in die Fuge einbringen.
  • Bauschaum entfernen: Bauschaum lässt sich von den meisten Baustoffen wegen der extrem guten Haftung nur sehr schwer entfernen. Decken Sie den Bereich um auszuschäumende Fugen, Türzargen etc. immer sorgfältig ab. Muss Bauschaum doch einmal entfernt werden, tragen Sie diesen am besten zuerst mechanisch mit einem Spachtel oder scharfem Messer ab. Kleine Bauschaumreste lassen sich mit speziellem Bauschaumentferner ablösen. Bauschaumentferner kann jedoch einige Baumaterialien wie Aluminium anlösen und sollte daher vor der Verwendung an einer nicht sichtbaren und nicht tragenden Stelle probeweise angewendet werden. Tragen Sie beim Einsatz von Bauschaumentferner Schutzhandschuhe und Schutzbrille!

Sicheres Arbeiten mit Bauschaum

Das in Bauschäumen oft enthaltende Treibgas kann unter Umständen in Verbindung mit der Raumluft ein zündfähiges Gemisch bilden. Verwenden Sie Bauschaum daher nur in sehr gut belüfteten Räumen und vermeiden Sie bei der Arbeit mögliche Zündquellen wie Funkenflug von Baumaschinen oder das Betätigen von Lichtschalten. Bei der Arbeit mit Bauschaum darf grundsätzlich nicht geraucht werden. Weiterhin sollten Sie bei der Arbeit mit Bauschaum geeignete Schutzhandschuhe, Schutzbrille und lange Arbeitskleidung tragen. Außerdem ist bei einigen Bauschäumen die Verwendung eines Atemschutzes angebracht.

Entsorgung von gebrauchten Bauschaum-Dosen

Gebrauchte Bauschaum-Dosen gelten in Deutschland als Sondermüll und dürfen nicht in den Hausmüll gegeben werden. Sie können die Dosen aber zum Beispiel bei vielen Recycling-Höfen von Städten und Gemeinden kostenlos abgeben.