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Kaninchen-Verhalten – so deuten Sie es richtig

Kaninchen zeigen Gefühle wie Angst, Erregung oder Aggression durch bestimmte Laute oder eine spezifische Körpersprache. Diese Signale sind für Kaninchenhalter nicht immer leicht zu verstehen und führen daher teilweise zu Missverständnissen, welche die Haltung von Kaninchen erschweren können. Wie Sie das Verhalten Ihrer Kaninchen richtig deuten, erfahren Sie in unserem nachfolgenden Ratgeber.

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Lautäußerungen und Körpersprache – wie sich Kaninchen mitteilen

Kaninchen können grundsätzlich über Lautäußerungen und eine bestimmte Körpersprache auf sich aufmerksam machen. Im Laufe der Evolution haben sich so unter anderem spezifische Laute entwickelt, die von Kaninchen teilweise schon kurz nach der Geburt intuitiv verstanden werden. Andere Laute oder bestimmte Signale der Körpersprache müssen junge Kaninchen erst durch das Muttertier oder den Kontakt mit Artgenossen erlernen. So kann es vorkommen, dass Kaninchen, die zu früh vom Muttertier getrennt wurden, einige Elemente der Kaninchensprache nicht nutzen bzw. verstehen können. Dies gilt ebenso bei fehlendem Kontakt mit Artgenossen. Kaninchen zu verstehen kann für den Halter besonders schwierig werden, wenn die Tiere aus den angesprochenen Gründen kein „normales“ Verhalten zeigen. Daher sollten Sie sich oft mit Ihren Kaninchen beschäftigen, um das individuelle Verhalten der Tiere mit der Zeit besser einschätzen zu können. Wie bei anderen Haustieren bedarf es dazu oft relativ viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Welches Kleintier zu Ihnen passt, hängt daher auch davon ab, ob Sie für die Beschäftigung mit dem Tier genügend Zeit investieren möchten bzw. können.

Kaninchen im Stall

Kaninchen-Verhalten: Lautäußerungen deuten

Im Gegensatz zu Hunden oder Katzen geben Kaninchen relativ wenige Laute von sich:

  • Fiepen: Helles, leises Fiepen geben vor allem Jungtiere von sich, die nach ihrer Mutter rufen. Ebenso fiepen einige Kaninchen, wenn Sie von einem dominanten Tier gejagt oder bedrängt werden. Angst und Unsicherheit sind weitere mögliche Ursachen für Fieplaute.
  • Knirschen mit den Zähnen: Leises Zähneknirschen deutet auf ein entspanntes Kaninchen hin. Teilweise knirschen Kaninchen auch leise mit den Zähen, wenn Sie sie streicheln. Das Zähneknirschen ist dann etwa mit dem Schnurren von Katzen zu vergleichen. Starkes Knirschen oder Mahlen mit den Zähnen kann aber ebenso auf Angst oder Schmerzen hindeuten.
  • Fauchen, Zischen und Knurren: Fauchende, zischende und knurrende Laute lassen nur einige Kaninchen von sich hören. Gibt Ihr Kaninchen diese Laute von sich, ist es meist wütend, unzufrieden und aggressiv. Lassen Sie das Tier in diesem Fall besser in Ruhe und versuchen Sie nicht es durch Streicheln zu beruhigen. Es besteht sonst die Gefahr, dass Sie von dem Kaninchen gekratzt oder sogar gebissen werden.
  • Brummen: Kaninchen äußern ein tiefes Brummen, wenn Sie in Paarungsstimmung sind.
  • Gurren: Ähnlich wie das Brummen, deuten auch gurrartige Laute von Kaninchen auf Paarungsbereitschaft oder sexuelle Stimulation hin.
  • Schreien: Da Kaninchen in freier Wildbahn durch Schreie lediglich Feinde auf sich aufmerksam machen würden, schreien Kaninchen nur in äußersten Notsituationen. Dazu zählen zum Beispiel große körperliche Schmerzen oder starke Angst vor potenziellen Fressfeinden wie Hunden oder Katzen. Bei schweren Rangkämpfen mit Verletzungen schreien Kaninchen ebenfalls manchmal. Sehen Sie bei einem schreienden Kaninchen auf jeden Fall nach dem Rechten. So kann es zum Beispiel bei der Kaninchenhaltung im Freien schon einmal vorkommen, dass sich streunende Hunde, Marder oder Füchse am Kaninchenstall oder Freilaufgehege zu schaffen machen und kurz davor stehen, Ihre Lieblinge zu töten. Vielleicht hat sich ein schreiendes Kaninchen auch „nur“ irgendwo verfangen und gerät dadurch in Panik. Zeigt Ihr Kaninchen dieses Verhalten, sollten Sie das Tier sehr behutsam befreien. Tragen Sie dazu am besten dicke Handschuhe, da panische Kaninchen die helfende Hand oft als weitere Bedrohung empfinden und diese attackieren.
  • Kaninchen auf der Wiese
  • Klopfen mit den Hinterläufen: Ein typisches Verhalten von Kaninchen ist das Klopfen bzw. Stampfen mit den Hinterläufen. Freilebende Kaninchen warnen dadurch ihre Artgenossen vor Fressfeinden wie Füchsen oder Raubvögeln. Im Laufe der Evolution hat sich dieses Warnsignal als besonders vorteilhaft erwiesen, da der Schall durch die Übertragung im Boden gut unter der Erde hörbar ist. So werden auch Kaninchen im Bau vor Feinden an der Oberfläche gewarnt. Klopfen mit den Hinterläufen ist aber ebenfalls oft ein Hinweis auf Stress, Angst und Wut. Zudem klopfen weibliche Tiere auch während der Paarungszeit manchmal mit den Hinterläufen.

Körpersprache von Kaninchen verstehen

Kaninchen zeigen in bestimmten Situationen eine spezifische Körpersprache, deren Deutung vom Halter jedoch etwas Erfahrung und Einfühlungsvermögen verlangt:

  • Anstupsen: Zum typischen Verhalten von Kaninchen gehört das Anstupsen von Artgenossen oder dem Halter. Mit dieser Geste begrüßen sich Kaninchen untereinander. Anstupsen wird aber ebenfalls als Aufforderung zum Spiel oder gegenseitigen Putzen praktiziert. Werden Sie von Ihrem Kaninchen angestupst, möchte das Tier meist Aufmerksamkeit erregen oder Futter haben.
  • Zwicken: Zwickt ein Kaninchen Artgenossen oder den Halter, drückt es damit Unbehagen aus. Das Tier möchte dann zum Beispiel nicht mehr gestreichelt oder gekrault werden.
  • Ausgestrecktes Liegen: In der liegenden Position können Kaninchen langsamer flüchten und die Umgebung lässt sich im Liegen schlechter überwachen. Deshalb zeigen Kaninchen dieses Verhalten nur, wenn Sie absolut entspannt sind und sich ausruhen. Ein ausgestreckt liegendes Kaninchen fühlt sich in diesem Moment geborgen und sicher vor Feinden.
  • Männchenmachen: Richtet sich Ihr Kaninchen auf, möchte es einen besseren Überblick über seine Umgebung erhalten. In freier Wildbahn können so Feinde oder Reviereindringlinge schneller erkannt werden. Kaninchen in Gefangenschaft machen auch Männchen, um höher gelegene Gegenstände zu inspizieren, Aufmerksamkeit zu erhalten oder um nach Futter zu betteln.
  • Verharren in gehockter Stellung: Normalerweise sind Kaninchen Fluchttiere. Werden Sie jedoch von einem Feind überrascht, verharren Kaninchen flach geduckt auf dem Boden und versuchen so der Entdeckung zu entgehen. Zeigt ein Kaninchen dieses Verhalten, kann es sich ebenfalls um eine allgemeine Schock- oder Angstreaktion handeln. Eine geduckte Haltung mit angelegten Ohren ist zudem eine Unterwerfungsgeste bei Rangkämpfen. Duckt sich Ihr Kaninchen auf den Boden, wenn Sie es streicheln oder füttern wollen, ist dies ebenso ein Zeichen für Unterwerfung bzw. Unwohlsein. Meist hat das Kaninchen dann aus irgendwelchen Gründen Angst vor Ihnen.
  • Aufrechtes Stehen: Steht Ihr Kaninchen aufrecht mit aufgerichtetem Schwanz und aufgerichteten Ohren, sichert es neugierig sein Revier.
  • Kaninchen verstehen
  • Hakenschlagen, Springen: Ein typisches Verhalten von Kaninchen ist das Schlagen von Haken. In freier Wildbahn können Kaninchen mit diesem Verhalten schnelleren Feinden entkommen. Oft wird das Schlagen von Haken mit wilden Sprüngen kombiniert. Kaninchen in Heimtierhaltung entziehen sich mit Haken gern den Fangversuchen ihres Halters, wenn zum Beispiel die ungeliebte Transportbox auf einen Besuch beim Tierarzt hindeutet. Viele Kaninchen schlagen aber auch aus Vergnügen am Spiel Haken und erfreuen ihren Besitzer mit wilden Freudensprüngen. Wie das Beispiel des Hakenschlagens zeigt, ist es nicht immer einfach, das Verhalten von Kaninchen zu verstehen. So kann das Schlagen von Haken einerseits Flucht/Angst und andererseits Freude signalisieren.
  • Rammeln: Das Rammeln dient normalerweise der Fortpflanzung und der Demonstration von Paarungsbereitschaft. Dieses Kaninchen-Verhalten wird aber ebenfalls zur Ausübung von Dominanz gezeigt. Dabei werden zum Beispiel bei Rangkämpfen oft gleichgeschlechtliche Artgenossen berammelt. Auch dominante Weibchen können einen Bock berammeln. Grundsätzlich versucht das ranghöhere Kaninchen, das rangniedrigere bei Rangkämpfen zu besteigen. Jungtiere berammeln sich vielfach ebenfalls im Spiel. Werden einzelne Tiere ständig berammelt, können diese unter starkem Stress leiden. Teilweise wird dann sogar die Futteraufnahme teilweise oder ganz eingestellt. In diesem Fall sollten Sie als Kaninchenhalter eingreifen und die Tiere trennen. In einigen Fällen hilft ein größerer Stall dem rangniederen Tier dabei, den Rammelattacken auszuweichen.
  • Wälzen auf dem Boden: Wälzt sich Ihr Kaninchen auf dem Boden, ist dies ein Zeichen für Wohlbefinden und tiefe Entspannung. Untergründe wie Sand, Rindenmulch und frisches Stroh animieren Kaninchen oft besonders zum Wälzen.
  • Angelegte Ohren: Wie bei vielen anderen Tieren sind angelegte Ohren bei Kaninchen ein Warnzeichen. Zeigt Ihr Kaninchen entsprechendes Verhalten, sollten Sie es in Ruhe lassen und nicht versuchen, es zu streicheln.
  • Aufgerichtete Blume: Richten Kaninchen ihre Blume (Schwanz) auf, sind diese in Alarmstimmung bzw. Angriffslaune. Werden die Tiere in dieser Situation zum Beispiel von Artgenossen weiter bedrängt, kann es zu einem Angriff mit Beißattacken kommen.
  • Schnüffeln: Eine schnelle Nasenbewegung in Verbindung mit einer schnellen Atmung deutet auf ein aufgeregtes bzw. angespanntes Kaninchen hin. Richtet sich das Kaninchen dabei auf, sucht es seine Umgebung zum Beispiel nach Feinden und der Ursache unbekannter oder bedrohlicher Gerüche ab. Da Kaninchen relativ hitzeempfindlich sind, kann eine erhöhte Atemfrequenz aber ebenso auf zu hohe Temperaturen im Stall oder sogar einen Hitzeschlag hindeuten. Zeigt Ihr Kaninchen über längere Zeiträume ohne ersichtlichen Grund eine schnelle Atmung, kann dies mitunter ein Hinweis auf eine Lungenerkrankung sein. Suchen Sie in diesem Fall einen Tierarzt auf.
Kaninchen m Stroh

Weitere typische Verhaltensweisen von Kaninchen

  • Buddeln/Wühlen: In freier Wildbahn bringen Kaninchen ihre Jungen in selbst gegrabenen Setzröhren zur Welt. Unterirdische Tunnel dienen zudem als Schutz vor Feinden. Außerdem dient das Wühlen und Buddeln dem Wetzen der Krallen. Um ihrem angeborenen Buddeltrieb nachzugehen, zerwühlen Kaninchen in Heimtierhaltung oft das Einstreumaterial im Käfig oder Stall. Hat das Kaninchen „Ausgang“ in der Wohnung, muss auch schon einmal eine Decke oder ein flauschiger Teppich als Erdersatz herhalten. Verwenden Sie für Ihre Kaninchen ein Freilaufgehege, sollten Sie die Tiere genau beobachten, da selbst Hauskaninchen häufig wahre Tunnelbaumeister sind. Bleiben Kaninchen im Freilauf im Garten länger unbeobachtet, können Sie sich leicht unter der Freilaufbegrenzung hindurchgraben.
  • Putzen/Lecken: Das Putzen des Fells ist ein häufig zu beobachtendes Kaninchen-Verhalten und dient der Körperpflege. Kaninchen putzen sich ebenso gegenseitig, um schwer zugängliche Körperstellen zu reinigen und Zugehörigkeit zu signalisieren. Leckt das Kaninchen Sie ab, versucht es Sie zu putzen und akzeptiert Sie somit als ein Mitglied der Kaninchenfamilie. Kaninchen deuten mit dem Ablecken der Hände aber teilweise auch mangelnde Beschäftigung und Einsamkeit an.
  • Kotfressen: Fressen Kaninchen Kot, wirkt dies auf einige Kaninchenhalter vielleicht befremdlich. Entsprechendes Kaninchen-Verhalten ist allerdings vollkommen natürlich. In der Regel fressen Kaninchen nur ihren Blinddarmkot direkt am After. Der Blinddarmkot enthält lebenswichtige Mineralstoffe und Vitamine, die durch das Passieren des Darms für das Kaninchen besser verfügbar werden. Versuchen Sie deshalb nicht, das Fressen von Kot zu unterbinden.
  • Verspritzen von Urin, Verteilen von Kot: Kaninchen verspritzen Urin und verteilen Kot, um ihr Revier zu markieren. Besonders stark ist dieses Verhalten bei nicht kastrierten Rammlern ausgeprägt. Kaninchen werden oft durch neue Artgenossen im Revier bzw. Stall zum Markieren animiert. Deshalb sollten Sie etwa bei der Zusammenführung von Kaninchen auf Urinspritzer in der Wohnung vorbereitet sein.