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Drechseln für Anfänger: Jetzt geht's rund

Schalen, Stuhlbeine, Kreisel, Pfeffermühlen – mit der Drechselbank lassen sich Holz und andere Werkstoffe kunstvoll bearbeiten und in die verschiedensten Formen bringen, von nützlich bis dekorativ. Dabei hat auch der größte Drechselkünstler einmal bei Null angefangen. Doch mit dem passenden Werkzeug und der folgenden Anleitung sammeln Sie schnell die notwendige Erfahrung, um ihre ersten vorzeigbaren Drechselwerke herzustellen.

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Schritt 1: Werkzeuge zusammenstellen und kennenlernen

Gerade wenn Sie noch nie an der Drechselbank standen, sollten Sie sich zunächst mit der Maschine und dem erforderlichen Zubehör vertraut machen. Zunächst ist da die Drechsel- oder auch Drehbank, mit der Sie das Werkstück in Rotation versetzen. Zum eigentlichen Drechseln des Rohlings gibt es dann verschiedene Handwerkzeuge:

  • Röhren, halbrund mit flachem Außenschliff
  • Flachmeißel und Abstechstähle zum Ablängen mit flachen, zum Teil beidseitigem Schliff
  • Ausdrehstähle und Schlichtstähle mit sehr steilem Schliff

Diese Dreheisen gibt es in vielen verschiedenen Größen und Ausführungen. Für die ersten Drechselversuche reichen eine 13er-Röhre, ein 12er- und 15er-Meißel und ein Abstechstahl (Abstecher). Alternativ wählen Sie ein Beitelset, in dem die gängigsten Drechselwerkzeuge bereits enthalten sind. Da die Dreheisen zum Drechseln stets sehr scharf sein müssen, empfiehlt sich außerdem die Anschaffung einer Schleifmaschine zum Nachschärfen.

Eine erste Drechselbank erhalten Sie bereits zu einem überschaubaren Preis und in einer Größe, die Sie einfach auf Ihren Werktisch stellen können. In diese Drehbank spannt man das zu bearbeitende Werkstück ein. Die linke Spannvorrichtung nennt man Spindelstock, die rechte bezeichnet man als Reitstock. Beide stehen auf verschiebbaren gusseisernen Wagen, dem Maschinenbett. Ein weiteres wichtiges Teil ist die verstellbare Handauflage, die das Ruhighalten der Hand während der Arbeit ermöglicht.

Schritt 2: Werkstück vorbereiten

Absolute Anfänger sollten die Funktionsweise von Drehbank und Dreheisen zunächst an einigen Teststücken ausprobieren. Nehmen Sie ein Holzstück und begradigen Sie – falls notwendig – die linke und die rechte Seite vor dem Einspannen. Ein Ratgeber zum richtigen Sägen erklärt Ihnen, worauf es dabei ankommt.

Um den Rohling im Anschluss mittig einspannen zu können, müssen Sie vorab die genaue Mitte anzeichnen. Verwenden Sie dazu einen im Handel erhältlichen Zentrierwinkel. Alternativ bauen Sie sich einen solchen Winkel selbst. Dazu setzen Sie zwei Leisten rechtwinklig und Stoß auf Stoß gegeneinander und verschrauben sie. Dann sägen Sie eine weitere Leiste im 45-Grad-Winkel ab und setzen die abgeschrägte Seite ans untere Ende der senkrechten Leiste etwa in der Mitte der Leistenbreite. Schrauben Sie die Diagonalleiste fest und Ihr selbst gebauter Zentrierwinkel ist fertig. Setzen Sie das Werkstück in den Winkel und zeichnen Sie die Diagonale nach. Drehen Sie das Holzstück mehrfach und zeichnen Sie jedes Mal die Diagonale an. Dort, wo sich dann alle Linien treffen, befindet sich die exakte Mitte. Diese Mitte körnen Sie mit Hammer und Vorstecher vor.

Schritt 3: Werkstück einspannen und Drehbank einstellen

Es gibt verschiedene Drechselarten, die jeweils ein unterschiedliches Einspannen des Rohlings erfordern. Beim Querdrechseln etwa befestigt man ein bereits rund geschnittenes Werkstück nur einseitig am Spindelstock. Dieses Drechselverfahren wird zum Beispiel für die Herstellung von Tellern und Schalen genutzt. Weitere Verfahren sind beispielsweise:

  • Ovaldrehen zum Herstellen von Bilderrahmen oder Dosen
  • Reifendrehen zum Drechseln von Spielzeug, Tieren und Figuren
  • Passigdrehen zum Fertigen von Treppensprossen, Tischbeinen oder Dosen
  • Längsdrehen zum Drehen von Säulen, Stuhlbeinen, Vasen

Für Anfänger empfiehlt sich zunächst das Längsdrechseln. Dazu stecken Sie die vorgekörnte Mulde des Holzstücks zuerst auf die sogenannte Mitnehmerspitze des Spindelstocks. Dann führen Sie den Reiterstock an das Werkstück heran und platzieren dessen Mitnehmerspitze ebenfalls mittig in der Vertiefung. Spannen Sie jetzt das Holz mit mäßigem Druck fest. Als Anfänger stellen Sie dann die kleinste oder zweitkleinste Drehgeschwindigkeitsstufe ein. Drehen Sie das Holzstück von Hand so weit, bis die breiteste Stelle nach vorne zeigt. Nun stellen Sie die Handauflage so nahe wie möglich parallel zum Holz ein. Der Abstand sollte etwa ein bis zwei Millimeter betragen. Drehen Sie das Holz probeweise mehrfach von Hand, um sicherzustellen, dass es die Handauflage nicht berührt. Gegebenenfalls korrigieren Sie den Abstand.

Schritt 4: Jetzt geht's ans Drechseln

Um Verletzungen zu vermeiden, setzen Sie eine Schutzmaske und Kopfhörer auf. Dann schalten Sie die Drechselbank ein. Zum ersten Runddrehen des Rohlings verwenden Sie eine breite Röhre (Schruppröhre). Bei gesplitterten Kanten oder Ästen benutzen Sie stattdessen zu Beginn einen Abstechstahl.

Halten Sie das Werkzeug mit einer Hand am Griff und stützen Sie den Arm an der Hüfte ab. Rechtshänder verwenden hierzu die linke Hand. Mit der rechten Hand fixieren und führen Sie dann die Werkzeugspitze, indem Sie einen entsprechenden Druck auf die Handauflage ausüben. Linkshänder halten das Werkzeug seitenverkehrt. Beginnen Sie mit einer Seite des Rohlings und arbeiten Sie von der Mitte nach außen. Probieren Sie dabei aus, wie sich verschieden starker Druck auf das Werkstück auswirkt. Achten Sie darauf, an den Enden nicht zu viel Material abzutragen, um nicht mit den Mitnehmerspitzen zu kollidieren. Schalten Sie zwischendurch die Drehbank aus und schauen Sie sich ihr Werk an. So verstehen Sie am besten, wie Sie mit Druck und Winkel des Werkzeugs das Werkstück drechseln.

Dann schalten Sie die Maschine wieder an und bearbeiten die andere Seite des Rohlings. Dabei versuchen Sie, Ihre Erfahrungen aus dem ersten Versuch bereits in eine gezielte Bearbeitung einfließen zu lassen. Sind die ersten vorzeigbaren Stücke entstanden, fehlt am Ende nur noch das richtige Schleifen für eine perfekt glatte Oberfläche. Um Ihre ersten praktischen Erfahrungen zu vertiefen, empfehlen sich ein Drechselkurs, Fachliteratur zum Drechseln oder Video-Anleitungen.

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