Baum im eigenen Garten fällen: Schritt für Schritt
Bäume im Garten sind geschätzte Schattenspender und wertvolle Lebensräume. Spätestens wenn ein Baum jedoch morsch ist, durch Sturmschaden eine Gefahr darstellt oder der Platz knapp wird, steht eine Fällung an. Da die Arbeit mit der Kettensäge Risiken birgt, sind gute Vorbereitung, die richtige Fälltechnik und das Einhalten rechtlicher Vorgaben unverzichtbar.
Inhaltsverzeichnis
- Was gilt es zu beachten?
- Schutzkleidung anlegen
- Arbeitsgeräte überprüfen und ablegen
- Fälltechnik und Fällrichtung bestimmen
- Fällradius kalkulieren
- Fallkerb setzen
- Fällschnitt vorbereiten
- Umgebung informieren
- Fällschnitt ausführen
Was gilt es vor dem Fällen zu beachten?
Bevor Du zur Säge greifst, musst Du die rechtlichen Rahmenbedingungen prüfen:
Schonzeiten nach dem Bundesnaturschutzgesetz: Das Fällen von Bäumen ist bundesweit in der Vogelschutzzeit vom 1. März bis zum 30. September untersagt. Fällungen im Hausgarten sind grundsätzlich nur im Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 28. Februar zulässig.
Kommunale Baumschutzsatzungen: Viele Städte und Gemeinden haben eigene Satzungen. Oft stehen Bäume ab einem bestimmten Stammumfang (meist ab 60 bis 80 cm, gemessen in 1 m Höhe) unter besonderem Schutz und benötigen eine behördliche Fällgenehmigung – unabhängig von der Jahreszeit.
Artenschutz: Höhlenbäume oder Gehölze, in denen geschützte Arten (wie Fledermäuse oder Eulen) nisten, dürfen nicht ohne Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde gefällt werden.
Wichtig zu wissen!
Fälle Bäume in Deinem Garten nur zwischen dem 1. Oktober und 28. Februar und erkundige Dich vorher bei Deiner Gemeinde über lokale Schutzbestimmungen.
Baum fällen – Schritt für Schritt
Schritt 1: Schutzkleidung anlegen
Sicherheit geht vor. Beim Arbeiten mit der Kettensäge ist eine zertifizierte Schutzausrüstung Pflicht:- Schnittschutzhose (mindestens Klasse 1) und Schnittschutzstiefel
- Forstschutzhelm mit Visier (Gesichtsschutz) und Gehörschutz
- Arbeitshandschuhe
- Erste-Hilfe-Set in unmittelbarer Reichweite

Schritt 2: Arbeitsgeräte überprüfen und richtig ablegen
- Überprüfe Kettensäge, Kettenspannung, Schärfe der Sägekette sowie Kettenöl- und Kraftstoffstand.

Schritt 3: Fälltechnik und Fällrichtung bestimmen
Begutachte den Baum auf Wuchsform, Totholz und Überhang (Neigung). Berücksichtige auch die Windrichtung.- Bestimme die Fällrichtung, in die der Baum ungehindert fallen kann.
- Entferne Moos, Flechten und störende Wurzelanläufe am Stammfuß vorsichtig mit der Axt oder Säge.
- Richte die Rückweiche ein: Das ist Dein Fluchtweg schräg nach hinten (im 45-Grad-Winkel entgegengesetzt zur Fällrichtung).
Räume diesen Bereich komplett frei von Ästen, Werkzeug und Stolperfallen.

Schritt 4: Fällradius kalkulieren
Als Fällbereich (Gefahrenbereich) gilt ein Radius von der doppelten Baumlänge. Stelle sicher, dass sich während der Arbeit keine unbefugten Personen, Kinder oder Haustiere in diesem Radius aufhalten.
Schritt 5: Fallkerb am Baum setzen
Der Fallkerb bestimmt die Fallrichtung des Baumes:- Dachschnitt: Setze auf der Seite der geplanten Fällrichtung einen Schnitt im Winkel von 45 bis 60 Grad schräg nach unten an.
- Sohlenschnitt: Führe einen waagerechten Schnitt von unten aus, bis er exakt auf den Dachschnitt trifft. Der herausfallende Keil sollte eine Tiefe von ca. 1/5 bis 1/3 des Stammdurchmessers haben.
- Entferne das Holzstück. Die entstandene Sehnenlinie (Fallkerbsohle) muss genau im 90-Grad-Winkel zur gewünschten Fällrichtung stehen.

Schritt 6: Fällschnitt am Baum vorbereiten
Das genaue Ausmessen schützt davor, den Stamm versehentlich durchzusägen. Bevor Du die Säge ansetzt, zeichne Dir die Schnittlinien am Stammfuß mit Kreide oder Filzstift an:- Bruchstufe markieren: Führe den Fällschnitt leicht oberhalb der Fallkerbsohle aus. Die Höhendifferenz (Bruchstufe) beträgt etwa 1/10 des Stammdurchmessers (bei 30 cm Durchmesser also ca. 3 cm über der Sohle).
- Bruchleiste markieren: Markiere den Stopp-Punkt für die Säge. Auch die Bruchleiste – das stehenbleibende „Scharnier“ – muss 1/10 des Stammdurchmessers breit sein. Bis zu dieser Linie sägst Du später, keinesfalls weiter.

Schritt 7: Umgebung über Baumfall informieren
Bevor die Säge für den finalen Schnitt anspringt, gilt Deine volle Aufmerksamkeit noch einmal der Umgebung:- Kontrolle: Überprüfe den Sicherheitsradius (doppelte Baumlänge) und Deine Rückweiche (Fluchtweg im 45-Grad-Winkel). Stelle sicher, dass sich keine Personen oder Tiere im Gefahrenbereich befinden.
- Warnruf abgeben: Informiere alle Helfer und Personen in der Nähe laut und deutlich mit dem Rufen von „Achtung, Baum fällt!“.

Schritt 8: Fällschnitt ausführen und Baum zu Boden bringen
Jetzt führst Du den Schnitt exakt entlang Deiner Markierungen aus Schritt 6 aus:- Säge ansetzen: Setze die Kettensäge auf Höhe Deiner angezeichneten Bruchstufenlinie waagerecht an der Rückseite des Baumes an.
- Einsägen: Säge gleichmäßig in den Stamm, bis die Schiene tief genug im Holz steckt. Belasse die angezeichnete Bruchleiste als Führungsschiene stehen – säge den Stamm niemals komplett durch!
- Keil setzen & fällen: Treibe den Fällkeil mit dem Fällhammer in den Sägespalt, bis der Baum nach vorne kippt.
- Rückweiche nutzen: Sobald der Baum fällt, ziehst Du die Säge heraus, aktivierst die Kettenbremse und weichst zügig über Deinen freigeräumten Fluchtweg nach hinten aus.
Nachdem der Baum sicher liegt, überprüfe die Krone auf lose Äste, bevor Du mit dem Entasten beginnst. Zersäge das Holz schrittweise von den Ästen hin zum Stamm und transportiere das Material ab.




