Illustration eines Autos von der linken Seite, ein Reifen ist mit dem Text "Reifen hinten links" gekennzeichnet und wird mit einem Radmutternschlüssel bearbeitet, danben sind eine Spraysdose und schrauben zu sehen, ein grüner Luftschlauch mit roter Düse zeigt auf den Reifen, unter dem Auto steht ein Wagenheber und es ist eine Anleitung mit hagebau-Logo zu sehen
Illustration eines Autos von der linken Seite, ein Reifen ist mit dem Text "Reifen hinten links" gekennzeichnet und wird mit einem Radmutternschlüssel bearbeitet, danben sind eine Spraysdose und schrauben zu sehen, ein grüner Luftschlauch mit roter Düse zeigt auf den Reifen, unter dem Auto steht ein Wagenheber und es ist eine Anleitung mit hagebau-Logo zu sehen

Radwechsel beim Auto: Die Tricks der Profis

Ob der saisonale Wechsel von Sommer- auf Winterreifen im Herbst, die Umrüstung im Frühjahr oder der plötzliche Notfall bei einer Panne: Wer den Radwechsel beim Auto selbst beherrscht, spart Werkstattkosten, bleibt flexibel und ist auf der Landstraße oder Autobahn jederzeit handlungsfähig.

Wie Du Deine Kompletträder (Reifen auf Felge) zur Saison sowie ein Not- oder Ersatzrad im Pannenfall schnell, sicher und professionell wechselst, erfährst Du in dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung.


Kosten: Eurosymbol: Kosten 1 von 3 Schwierigkeit: Hammersymbol: 1 von 3 Dauer: Uhrensymbol: Zeiteinsatz 1 von 3

Werkzeugliste

Schritt 1: Schrauben lösen und Wagenheber ansetzen

Bevor Du Deine Räder wechselst, solltest Du Dein Fahrzeug gegen Wegrollen sichern. Stelle Dein Auto dazu auf ebenen, festen Grund – also kein Schotter oder Rasen, da der Wagenheber sonst wegrutschen oder einsinken kann. Dann:
  • Gang einlegen (Schaltgetriebe) bzw. Wählhebel auf „P“ stellen (Automatik)
  • Handbremse anziehen
  • Fahrzeug zusätzlich mit Unterlegkeilen sichern, falls vorhanden

Greife nun zu einem Radmutternschlüssel, Radkreuz oder einer Knarre (Ratsche) mit passender Nuss und löse die Schrauben vorsichtig an. Denk daran, dass Du die Schrauben nur lösen, aber noch nicht entfernen solltest.

Um das Rad vom Boden abzuheben, schiebst Du nun den Wagenheber unter das Auto:
  • Am Schweller befinden sich spezifische, verstärkte Stellen, oft markiert mit kleinen Einkerbungen oder Pfeilen, an denen der Wagenheber angesetzt werden muss. Achtung: Verfehlt man diese verstärkten Punkte und setzt den Wagenheber einfach irgendwo am dünnen Blech des Schwellers an, drückt man sich hässliche Dellen hinein oder beschädigt den Unterboden.
Hebe den Wagen nun behutsam an – das Rad sollte gerade so weit angehoben werden, dass es frei drehbar und demontierbar ist.

Info-Symbol GlühbirneWichtig bei einer Panne

Warnblinker einschalten, Warnweste anlegen, Warndreieck aufstellen und auf Autobahnen möglichst hinter der Leitplanke warten. Ein Radwechsel sollte nur durchgeführt werden, wenn dies gefahrlos möglich ist.


Schritt 2: Radschrauben entfernen

Erst jetzt werden die Radschrauben bzw. Radmuttern vollständig herausgedreht. Gehe dabei von unten nach oben vor: Die oberste Radschraube wird als Letztes entfernt. Da das Rad leicht nach außen kippt, verhindert diese Reihenfolge, dass das Rad verkantet oder unkontrolliert herunterfällt. Halte das Rad mit einer Hand fest, während Du die letzte Schraube herausdrehst.

Manche Fahrzeuge nutzen Radmuttern statt Radschrauben. Die Vorgehensweise bleibt jedoch exakt dieselbe – Du drehst hier lediglich die Muttern von den fest in der Radnabe sitzenden Stehbolzen ab.

Illustration vom hinteren Teil eines Autos in der Seitenansicht,  der hintere linke Reifen ist mit einem Wagenheber angehoben, ein Radkreuz liegt am Rad, die Radmuttern sind von eins bis fünf nummeriert, auf dem Boden liegt eine weiße Unterlage mit einer Radmutter

Schritt 3: Das alte Rad abnehmen

Nimm das Rad nun vorsichtig ab. Lässt es sich nicht auf Anhieb lösen, hilft ein gezieltes Klopfen mit der Handfläche gegen den Rand (Reifenflanke). Das lockert das Rad auf der Nabe, sodass es sich besser abziehen lässt.

Schiebe das abmontierte Rad flach unter den Schweller neben den Wagenheber. Sollte der Wagenheber abrutschen, fängt das Rad das Fahrzeug ab und verhindert Beschädigungen.

Reifen markieren: Wechselst Du von Sommer- auf Winterreifen (oder umgekehrt), markiere den Reifen direkt beim Abnehmen mit ein paar Kreidestrichen (z. B. VL = Vorne Links, HR = Hinten Rechts). Das hilft Dir beim nächsten Mal, die Räder gezielt zu montieren (z. B. achsweise zu tauschen), um das Fahrverhalten stabil zu halten und ein gleichmäßiges Abnutzen des Profils zu fördern.

Radnabe und Reifen reinigen: Säubere die Nabe gründlich von Rost und Schmutz. So verhinderst Du Probleme beim Aufsetzen des neuen Reifens und stellst sicher, dass die Felge später perfekt plan anliegt. Wasche den abmontierten Reifen mit Wasser und entferne kleine Steine aus dem Profil, bevor Du ihn einlagerst. Achte bei der Reinigung darauf, die Kreide-Markierungen nicht abzuwaschen.

Illustration eines Autos von links, das auf einem Wagenheber steht, der hintere linke Reifen wird mit einem Schlauch gereinigt, daneben liegt eine Unterlage mit fünf Radmuttern

Info-Symbol GlühbirneTipp: Gewinde säubern

Säubere die Gewinde der Schrauben vorsichtig mit einem Lappen oder einer Bürste. Du solltest die Gewinde aber nicht ohne ausdrückliche Handbuch-Empfehlung einfetten oder ölen, da sie sich sonst beim Fahren lockern können und das vorgeschriebene Anzugsdrehmoment verfälschen können.


Schritt 4: Das neue Rad aufsetzen

Setze nun das neue Rad auf die gereinigte Nabe. Beachte, dass Deine Felgen nach einem Wechsel (z. B. Alu vs. Stahl) möglicherweise unterschiedliche Radschrauben benötigen.

Laufrichtung beachten: Prüfe vor der Montage die Laufrichtung des Reifens – bei laufrichtungsgebundenen Reifen zeigt ein Pfeil die Drehrichtung an. Bei asymmetrischen Reifen muss die Seite mit der Kennzeichnung "Outside" nach außen zeigen.

Rad ausrichten: Drehe das Rad auf der Nabe, bis die Löcher der Felge exakt über den Gewindelöchern der Nabe liegen. (Bei Stehbolzen mit Radmuttern schiebst Du die Felge direkt auf die herausstehenden Bolzen. Bei manchen Spezial- oder Tuningfelgen müssen zuvor Zentrierringe oder Unterlegscheiben aufgesetzt werden.)

Schrauben handfest anziehen: Drehe alle Radschrauben zuerst mit der Hand ein paar Umdrehungen ein, damit das Gewinde nicht verkantet. Ziehe die Schrauben dann mit dem Radkreuz oder Schlüssel über Kreuz handfest an. (Du ziehst die Schrauben in der Luft so weit an, wie es geht, ohne dass das Rad durchdreht. Das finale, feste Anziehen mit voller Kraft passiert erst im nächsten Schritt, wenn das Auto wieder fest auf dem Boden steht.)
Illustration eines Autos von links, die Radnabe ist sichtbar, ein neuer, sauberer Reifen wird zur Montage angesetzt, ein Pfeil zeigt an, an welcher Stelle der Reifen angesetzt werden muss

Info-Symbol GlühbirneTipp: Reifen vor der Montage prüfen

Kontrolliere Profiltiefe, Beschädigungen, Risse und Beulen. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm. Empfehlenswert sind mindestens 3 mm bei Sommerreifen und 4 mm bei Winterreifen.


Schritt 5: Wagen absenken und Radschrauben wieder festziehen

Kurbel den Wagenheber langsam und behutsam nach unten, bis das Rad wieder fest auf dem Boden steht, und entferne den Wagenheber unter dem Auto.

Ziehe nun alle Radschrauben über Kreuz mit dem passenden Drehmoment fest. Gehe dabei immer zu der gegenüberliegenden Schraube über, damit das Rad gleichmäßig anliegt und sich nicht verkantet.

Wichtig: Das richtige Drehmoment beachten

Radschrauben dürfen niemals mit Gewalt angezogen werden, verwende daher am besten einen Drehmomentschlüssel. Welches Drehmoment für Dein Fahrzeug vorgeschrieben ist, steht im Handbuch (ein häufiger Richtwert liegt bei ca. 110 bis 130 Nm). Stelle den vorgegebenen Wert ein und ziehe die Schraube an, bis der Schlüssel spür- und hörbar klickt. Dann ist die Schraube perfekt fixiert, ohne das Gewinde oder die Felge zu beschädigen.

Wenn Du keinen Drehmomentschlüssel zur Hand hast: Aus den Armen fest anziehen, aber niemals mit dem Fuß nachhelfen. Sobald Du an einer Tankstelle oder Werkstatt vorbeikommst, lasse das Drehmoment kurz kostenlos kontrollieren.

Nachkontrolle: Prüfe und optimiere nach dem Radwechsel den Luftdruck der Reifen vor Ort oder spätestens an der nächsten Tankstelle. Kontrolliere außerdem nach ca. 50 bis 100 gefahrenen Kilometern noch einmal den festen Sitz aller Radschrauben mit dem Drehmomentschlüssel. Bei Rädern mit Radsensoren muss zudem ggf. das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) im Bordcomputer neu angelernt bzw. zurückgesetzt werden, da sonst eine Fehlermeldung erscheint.
Illustration eines Autos von links, der hintere linke Reifen ist montiert, ein Radkreuz wird zum Anziehen der Radmuttern verwendet, eine Unterlage mit den restlichen Muttern mit der Markierung "1" liegt daneben, ein Pfeil zeigt vom Auto zum Wagenheber mit der Markierung "2", oben links ist ein Symbol von einem Haken und einem Drehmomentschlüssel, daneben ein hagebau-Logo

Info-Symbol GlühbirneTipp: Luftdruck nach einer Panne

Ein Ersatzrad liegt oft jahrelang ungenutzt im Kofferraum und verliert über die Zeit schleichend Luft. Fahre nach dem Aufziehen direkt zur nächsten Tankstelle, um den Luftdruck zu kontrollieren. Ein schmales Notrad benötigt meist deutlich mehr Druck (ca. 4,2 bar – der genaue vorgeschriebene Wert steht auf dem Notrad oder im Fahrzeughandbuch) und erlaubt maximal 80 km/h Fahrtempo.

Weitere Anleitungen