Eine Person übergibt einer anderen eine braune Papiertüte mit Pflanzen und Blumen darin.
Eine Person übergibt einer anderen eine braune Papiertüte mit Pflanzen und Blumen darin.

Zimmerpflanze retten: Schritt-für-Schritt zur zweiten Chance

Welke Blätter, braune Spitzen, hängende Triebe – viele Zimmerpflanzen sehen auf den ersten Blick hoffnungslos aus. Doch mit der richtigen Pflege kannst Du fast jede Pflanze wiederbeleben und in einen prächtigen Hingucker verwandeln. In dieser Anleitung zeigen wir Dir Schritt für Schritt, wie Du Deine Zimmerpflanzen inspizierst, pflegst und ihnen den perfekten Neustart ermöglichst.


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Diese Produkte kannst Du verwenden:

Stelle sicher, dass Du alle notwendigen Materialien zur Hand hast, um Deiner Pflanze den bestmöglichen Neustart zu geben: frisches Substrat (Erde oder mineralisches Substrat wie Pon), einen passenden Topf, eine saubere Schere oder Messer, Desinfektionsmittel für die Werkzeuge sowie optional Zusätze wie Pinienrinde, Perlit oder einen Selbstbewässerungstopf. Und natürlich benötigst Du Deine Pflanze.


Schritt 2: Pflanze inspizieren und beschädigte Teile entfernen

Untersuche Deine Pflanze gründlich auf Schäden. Entferne alle braunen, welken oder beschädigten Blätter vorsichtig von Hand oder mit einer desinfizierten Schere.

Stecklinge nehmen (optional)

Wenn einzelne Triebe stark geschädigt sind, schneide sie komplett ab – Du kannst daraus Stecklinge ziehen. Bei Philodendren und ähnlichen Pflanzen achte darauf, dass der Steckling mindestens einen Blattknoten enthält (die Verdickung am Stamm, aus der das Blatt wächst). Idealerweise sind dort bereits kleine Luftwurzeln sichtbar. Diese Stecklinge kannst Du in Wasser bewurzeln lassen und später wieder einpflanzen, verschenken oder als Reserve aufbewahren.

Tipp: Desinfiziere Dein Schneidwerkzeug vor jedem Schnitt, um Infektionen zu vermeiden.

Hände schneiden mit einer Schere einen Trieb einer grünen Zimmerpflanze ab, im Hintergrund sind weitere Pflanzen zu sehen.
Hände schneiden mit einer Schere einen Trieb einer grünen Zimmerpflanze ab, im Hintergrund sind weitere Pflanzen zu sehen.

Schritt 3: Wurzeln kontrollieren und behandeln

Nimm die Pflanze vorsichtig aus dem alten Topf und entferne das alte Substrat durch sanftes Schütteln oder mit den Händen. Untersuche die Wurzeln genau: Gesunde Wurzeln sind hell, fest, weiß bis hellbraun.

Wurzelfäule erkennst Du an dunkelbraunen bis schwarzen Wurzeln oder wenn sie matschig sind und faulig riechen. In dem Fall schneide alle betroffenen Wurzeln mit einem desinfizierten Messer etwa 1 cm oberhalb der faulen Stelle im gesunden Gewebe ab.

Wurzeln reinigen:
  • Für mineralisches Substrat (z.B. Pon): Spüle die gesamte Pflanze samt Wurzeln vorsichtig unter lauwarmem Wasser ab. Das entfernt alte Erdreste vollständig und beugt Schädlingen vor.
  • Für normale Erde: Spüle nur die oberirdischen Pflanzenteile kurz ab, die Wurzeln können etwas altes Substrat behalten.
Zwei Hände halten eine Zimmerpflanze mit sichtbaren Wurzeln über einer Schale mit Erde.
Zwei Hände halten eine Zimmerpflanze mit sichtbaren Wurzeln über einer Schale mit Erde.

Schritt 4: Pflanze neu eintopfen

Wähle einen Topf, der etwa 2-3 cm größer ist als der alte.

Option A – Mineralisches Substrat (Pon): Verwende einen Selbstbewässerungstopf mit Wasserstandsanzeiger. Dieser zeigt Dir genau an, wann die Pflanze Wasser braucht und verhindert Übergießen.

Option B – Erdsubstrat: Mische das Substrat mit groben Bestandteilen wie Pinienrinde, Perlit oder Pon (etwa 20-30% Anteil). Diese Zugaben verbessern die Drainage, verhindern Substratverklebung, sorgen für ausreichend Sauerstoff an den Wurzeln und speichern überschüssiges Wasser, um es bei Bedarf abzugeben.


Setze die Pflanze mittig in den Topf und fülle das Substrat rundherum auf. Drücke es leicht an, aber nicht zu fest.
Eine Person setzt eine Zimmerpflanze mit sichtbaren Wurzeln in einen schwarzen Pflanztopf mit Granulat.
Eine Person setzt eine Zimmerpflanze mit sichtbaren Wurzeln in einen schwarzen Pflanztopf mit Granulat.

Schritt 5: Den optimalen Standort finden

Der richtige Standort ist entscheidend für gesundes Wachstum.

Wähle helles, indirektes Licht für die meisten Zimmerpflanzen und keine direkte Sonneneinstrahlung – diese verursacht Verbrennungen auf den Blättern. Trotzdem sollte Deine Pflanze möglichst hell stehen.

Ideal ist ein Nordfenster (durchgehend helles, indirektes Licht) oder ein Ost-/Westfenster (nur morgens/abends milde Sonne).
Ausnahmen bilden Sukkulenten und Kakteen – diese bevorzugen direktes Sonnenlicht am Südfenster.

Wichtigster Faktor ist Konstanz: Vermeide häufige Standortwechsel und starke Schwankungen bei Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Pflanzen brauchen Zeit zur Eingewöhnung, Stress durch ständige Veränderungen schwächt sie.

Eine frisch eingetopfte Zimmerpflanze steht in einem schwarzen Pflanztopf auf einem Regal, daneben stehen zwei Glasvasen mit Pflanzenablegern. Im Hintergrund sind weitere große Zimmerpflanzen zu sehen.
Eine frisch eingetopfte Zimmerpflanze steht in einem schwarzen Pflanztopf auf einem Regal, daneben stehen zwei Glasvasen mit Pflanzenablegern. Im Hintergrund sind weitere große Zimmerpflanzen zu sehen.

Info-Symbol GlühbirneTipp: Warnsignale beachten

  • Gelbe Blätter: Mehrere Blätter werden gleichzeitig gelb – mögliche Wurzelfäule oder Übergießen
  • Braune Blattspitzen: Zu trockene Luft oder zu viel Dünger
  • Hängende Blätter: Zu wenig oder zu viel Wasser


Was tun bei Warnsignalen?

Mehrere Blätter werden gleichzeitig gelb:

  • Pflanze aus dem Topf nehmen und Wurzeln kontrollieren
  • Bei Wurzelfäule: Faule Wurzeln abschneiden, in frisches Substrat umtopfen
  • Gießverhalten anpassen: Erde zwischen den Gießvorgängen antrocknen lassen
  • Tipp: Fingerprobe – erst gießen, wenn die oberen 2-3 cm Erde trocken sind

Bei braunen Blattspitzen:

  • Luftfeuchtigkeit erhöhen: Pflanze regelmäßig besprühen oder auf einen Untersetzer mit Wasser und Kieselsteinen stellen
  • Dünger reduzieren oder pausieren – zu viel Dünger verbrennt die Wurzeln
  • Auf kalkarmes Wasser umstellen (gefiltertes oder abgestandenes Leitungswasser)

Bei hängenden, schlappen Blättern:

  • Zu trocken: Substrat fühlt sich trocken an – gründlich wässern, bis Wasser aus dem Ablaufloch läuft
  • Zu nass: Substrat ist durchnässt, riecht muffig – Gießen sofort stoppen, Pflanze ggf. umtopfen
  • Hitzestress: Pflanze von direkter Sonne oder Heizung wegstellen

Als allgemeine Regel gilt: Lieber einmal zu wenig als zu viel gießen – die meisten Zimmerpflanzen sterben durch Überwässerung, nicht durch Trockenheit.

Meine Zimmerpflanze verliert ihre Blätter. Was kann der Grund dafür sein?
  1. Prüfe die Feuchtigkeit der Erde in tieferen Schichten.
  2. Beobachte, ob die Blätter vor dem Abfallen gelb werden (meist Überwässerung) oder vertrocknet aussehen (Wassermangel oder Wurzelschaden).
  3. Vermeide Überwässerung und zu häufiges Düngen.
  4. Beachte weitere mögliche Ursachen wie Standortwechsel, Zugluft, Temperaturschwankungen, zu wenig Licht oder natürliche Anpassung nach dem Kauf.
  5. Optimiere die Pflege entsprechend der erkannten Ursache.
Die Blätter meiner Zimmerpflanze werden gelb und fallen ab. Was ist da los?
  1. Prüfe, ob die Erde dauerhaft feucht ist (Hinweis auf Überwässerung).
  2. Kontrolliere die Wurzeln auf Fäulnis.
  3. Überprüfe das Gießverhalten und passe es ggf. an.
  4. Beachte weitere Ursachen wie Nährstoffmangel, zu wenig Licht, Temperaturschwankungen oder natürliche Alterung.
  5. Ein bis zwei gelbe Blätter pro Monat sind normal, starker Blattverlust ist ein Warnsignal.
Was tun bei verbrannten Blättern durch übermäßigen Dünger?
  1. Spüle die Erde gründlich mit lauwarmem Wasser durch, sodass überschüssige Salze ausgespült werden.
  2. Alternativ: Topfe die Pflanze in frische Erde um und entferne beschädigte Wurzeln.
  3. Setze das Düngen für vier bis sechs Wochen aus.
  4. Schneide stark verbrannte Blätter ab, leicht beschädigte können bleiben.
  5. In Zukunft nur die halbe empfohlene Düngermenge verwenden und maximal alle zwei bis vier Wochen düngen.
Wie viel Wasser brauchen Zimmerpflanzen?
  1. Gieße erst, wenn die obersten zwei bis drei Zentimeter Erde angetrocknet sind.
  2. Tropische Pflanzen mögen gleichmäßig feuchte, aber nicht nasse Erde.
  3. Sukkulenten und Kakteen benötigen deutlich weniger Wasser – Erde fast komplett austrocknen lassen.
  4. Gieße lieber seltener und durchdringend als häufig und oberflächlich.
  5. Entferne überschüssiges Wasser im Untersetzer nach 15 bis 30 Minuten.
Wie oft muss man Zimmerpflanzen im Winter gießen?
  1. Reduziere die Gießhäufigkeit auf etwa die Hälfte im Vergleich zum Sommer.
  2. Prüfe vor jedem Gießen mit dem Finger, ob die Erde wirklich trocken ist.
  3. Kakteen und Sukkulenten benötigen im Winter oft nur alle vier bis sechs Wochen Wasser.
  4. Tropische Pflanzen gelegentlich besprühen, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen.
  5. Individueller Bedarf je nach Standort und Pflanzenart beachten.
Wann sollte man Zimmerpflanzen umtopfen?
  1. Der beste Zeitpunkt ist das Frühjahr (März bis Mai).
  2. Umtopfen, wenn Wurzeln aus den Abzugslöchern wachsen oder die Erde völlig durchwurzelt ist.
  3. Junge Pflanzen jährlich, ältere alle zwei bis drei Jahre umtopfen.
  4. Bei kranken oder gestressten Pflanzen nur bei Wurzelproblemen oder schlechter Erde umtopfen.
  5. Wähle einen Topf, der zwei bis drei Zentimeter größer ist als der alte.
Welche Blumenerde sollte ich für meine Zimmerpflanzen wählen?
  1. Wähle Erde passend zur Pflanzenart (z.B. Kakteenerde für Sukkulenten, Rindensubstrat für Orchideen).
  2. Bevorzuge hochwertige, strukturstabile und gut durchlässige Erde.
  3. Achte auf torffreie oder torfarme Alternativen.
  4. Verbessere normale Erde ggf. mit Perlite, Kokosfasern oder Blähton.
  5. Vermeide billige, schnell verdichtende Erde mit wenig Nährstoffen.
Soll ich gelbe Blätter abschneiden oder dranlassen?
  1. Vollständig gelbe oder braune Blätter können entfernt werden.
  2. Schneide mit einer sauberen Schere nahe am Stängel ab.
  3. Teilweise gelbe Blätter erst entfernen, wenn sie ganz gelb sind, oder nur die betroffenen Teile abschneiden.
  4. Entfernen verbessert die Optik und beugt Krankheiten vor.
  5. Ursache für Gelbfärbung finden und beheben, damit nicht weitere Blätter gelb werden.
Woran erkenne ich Überwässerung vs. Trockenstress?
  1. Überwässerung: Blätter werden gelb, weich und matschig, Erde dauerhaft feucht, Wurzeln braun und schleimig.
  2. Trockenstress: Blätter werden trocken, braun an Spitzen/Rändern, rollen sich ein, Erde staubtrocken, Wurzeln fest.
  3. Fingerprobe: Erde mehrere Zentimeter tief prüfen – feucht (Überwässerung) oder trocken (Trockenstress).
  4. Geruch der Erde beachten: modrig bei Überwässerung.
  5. Pflege entsprechend anpassen.
Was tun bei Schimmel auf der Erde?
  1. Entferne die oberste Erdschicht (ein bis zwei Zentimeter).
  2. Reduziere das Gießen und lasse die Erde besser antrocknen.
  3. Verbessere die Luftzirkulation und stelle die Pflanze heller.
  4. Bedecke die Erdoberfläche ggf. mit Sand, Kies oder Blähton.
  5. Bei wiederholtem Schimmelbefall: Pflanze in frische Erde umtopfen.
Wie lange dauert es, bis man eine Verbesserung sieht?
  1. Bei leichtem Wassermangel oft schon nach Stunden bis Tagen.
  2. Bei Überdüngung oder Überwässerung dauert die Erholung zwei bis vier Wochen.
  3. Neues Blattwachstum meist nach vier bis acht Wochen sichtbar.
  4. Im Winter oder bei stark geschädigten Pflanzen kann es mehrere Monate dauern.
  5. Geduld haben und zusätzliche Stressfaktoren vermeiden.
Wie viel Licht braucht eine geschwächte Pflanze (und wann gibt's Sonnenbrand)?
  1. Stelle die Pflanze an einen hellen Standort mit indirektem Licht.
  2. Vermeide direktes Mittagssonnenlicht, besonders durch Südfenster.
  3. Gewöhne die Pflanze schrittweise an mehr Licht.
  4. Im Winter kann die Pflanze näher ans Fenster gestellt werden.
  5. Beachte die spezifischen Lichtbedürfnisse der Pflanzenart.
Wie erkenne ich Wurzelfäule sicher?
  1. Nimm die Pflanze aus dem Topf und inspiziere die Wurzeln.
  2. Gesunde Wurzeln sind fest, weiß bis hellbraun und riechen neutral.
  3. Faule Wurzeln sind dunkel, matschig, riechen modrig und lassen sich leicht zerdrücken.
  4. Schneide alle betroffenen Wurzeln bis ins gesunde Gewebe ab.
  5. Topfe die Pflanze in frische, trockene Erde um und reduziere das Gießen drastisch.
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