
Schweißen lernen Schritt für Schritt
Schweißen erfordert Präzision und den richtigen Umgang mit Hitze und Strom, lässt sich mit etwas Übung aber auch von Heimwerkern erlernen. Wenn Sie Metallteile dauerhaft und belastbar miteinander verbinden möchten, führt kein Weg an dieser Technik vorbei. Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie Ihren Arbeitsbereich absichern, das Werkstück vorbereiten und die ersten Schweißnähte ziehen.
Inhaltsverzeichnis
Schritt 1: Schutzkleidung anlegen
- Nicht schweißen ohne Schutzkleidung
Die Sicherheit beim Schweißen hat stets Vorrang vor einer schnellen Erledigung der Arbeit. Wer richtig schweißen möchte, muss daher einige Sicherheitsvorkehrungen treffen.
Eine besondere Bedeutung kommt hierbei der Schutzkleidung zu. Beim Schweißen entsteht ein sehr heller Lichtbogen, der die Augen blendet, es fliegen Funken und die UV-Strahlung belastet die Haut stark. Aus diesem Grund ist es notwendig, Schutzhandschuhe und einen umfassenden Kopfschutz zu tragen sowie eine zum Schweißen geeignete Schürze. Die Handschuhe sollten aus Leder und auf handwerkliche Arbeiten ausgelegt sein, um die Hände effektiv zu schützen. Gleiches gilt für die Schürze, die den Oberkörper schützt. Ein spezieller Schweißerhelm ist im Gegensatz zu einer einfachen Schutzbrille deshalb vorteilhaft, weil er nicht nur die Augen, sondern die gesamte Gesichtshaut schützt.
Das Wichtigste ist aber in jedem Fall ein Schweißerhelm mit einem entsprechenden Schutzglasvisier – eine einfache Schweißerbrille reicht beim Lichtbogenschweißen wegen der UV-Strahlung nicht aus. Auf keinen Fall dürfen Sie während des Schweißvorgangs in den Lichtbogen schauen.

Schritt 2: Arbeitsbereich vorbereiten
- Feuerfeste und gut belüftete Arbeitsumgebung
- Massepol gründlich befestigen
Neben dem Anlegen einer effektiven Schutzkleidung gilt es, das Augenmerk auch auf die Arbeitsumgebung zu richten. So sollten Sie nur in Räumen arbeiten, die gut belüftet sind. Beim Schweißen entstehen Rauch und Gase. Diese müssen schnell abziehen können, damit sie Ihre Gesundheit nicht beeinträchtigen. Achten Sie auch darauf, dass der Arbeitsplatz vollkommen trocken ist und alle Objekte in der näheren Umgebung feuerfest sind.
Eine weitere Sicherheitsvorkehrung betrifft die Masseklammer am Schweißgerät – damit schließen Sie den Stromkreis. Der Massepol muss gut an einer blanken Stelle am Werkstück befestigt werden und darf sich nicht während des Schweißens lösen. Fällt die Zange ab, bricht der Stromkreis ab und der Schweißprozess stoppt schlagartig. Ein schlechter Kontakt führt zudem zu Lichtbogeninstabilitäten.

Schritt 3: Werkstück vorbereiten
- Rost vorher entfernen
- Werkstück sollte trocken sein
Bevor Sie mit dem Schweißen beginnen können, muss auch das Werkstück selbst vorbereitet werden. Bei rostigen Metallteilen ist es wichtig, das Werkstück von diesem Rost gründlich zu befreien. Handelt es sich um lackierte Teile, müssen Sie die Farbe abschleifen und dafür sorgen, dass keine Rückstände zurückbleiben. In den meisten Fällen ist es das Einfachste, wenn Sie zu einem elektrischen Schleifgerät greifen und die Teile einfach blankschleifen. Bei Materialstärken ab ca. 3 mm sollten Sie die Kanten leicht anfasen (V-Naht), damit die Schweißnaht tief genug einbrennen kann. Weiterhin muss das Werkstück trocken sein und darf keine Öl- oder Fettschicht aufweisen.
Legen Sie die Teile nun so übereinander, wie sie später zusammengeschweißt sein sollen. Wenn die Werkstücke nicht von alleine zusammenhalten, können Sie die Teile mit einer Schraubzwinge fixieren, damit Sie während des Schweißens nicht verrücken. Nun sind Sie bereit für den eigentlichen Schweißvorgang.

Schritt 4: Schweißen
- Zuerst nur punktieren
- Passende Stromstärke finden
- ""Schleppend" schweißen
Beim Zusammenschweißen zweier Teile ist es sinnvoll, mit Punktierungen zu beginnen. Setzen Sie erst einmal nur Schweißpunkte (Heften), können Sie die Lage der Werkstücke zueinander später immer noch korrigieren. Erst wenn Sie sich ganz sicher sind, schweißen Sie die Teile mit durchgehenden Linien zusammen.
Ein Problem beim Schweißen besteht in der korrekten Einstellung des Schweißstroms. Woran erkennt man, dass man den Strom zu stark oder zu schwach eingestellt hat? Bei zu starkem Strom zeigt sich sofort, dass Sie zu viel Material aus den Werkstücken herausschmelzen. Besitzen die Werkstücke nur eine geringe Dicke, können diese dabei sogar durchbrechen. Haben Sie den Strom zu schwach eingestellt, verändert sich das Material hingegen nur oberflächlich und wird nicht gänzlich durchschmolzen. Die Verbindungen werden später instabil sein und die Werkstücke an der Naht leicht wieder auseinanderbrechen. Korrigieren Sie die Stromstärke an Ihrem Schweißgerät solange, bis Sie beim Schweißen eine leicht erhabene Schweißnaht erhalten.
Achten Sie auch auf den richtigen Anstellwinkel: Halten Sie den Brenner bzw. die Elektrode leicht geneigt in einem Winkel von etwa 60 bis 70 Grad zur Schweißrichtung („schleppend“). Dadurch lässt sich der Lichtbogen optimal führen und das Schmelzbad gezielt steuern.
Ein kleiner Tipp:
Beim Zünden des Schweißgeräts sollten Sie das Gerät bereits auf die gewünschte Stelle für die spätere Schweißnaht richten. Dadurch lässt sich das Risiko von Rissen oder Bindefehlern reduzieren. Beim Schweißen entstandene Fehler lassen sich hinterher kaum noch korrigieren.

Schritt 5: Werkstück nachbehandeln
- Nebenprodukte durch Oxidation des Stahls bereinigen
Haben Sie die Schweißarbeiten abgeschlossen, lassen Sie die Naht abkühlen. Bei Verfahren mit Stabelektrode oder Fülldraht klopfen Sie die entstandene Schlacke vorsichtig mit einem Schlackehammer ab (Schutzbrille tragen!). Die Nachbehandlung ist wichtig, damit die Werkstücke an der Nahtstelle keinen Rost ansetzen. Die Oxidation des Stahls während des Schweißens ist eine chemische Reaktion, die viele Nebenprodukte hervorrufen kann. Entfernen Sie also in jedem Fall sämtliche während des Schweißens entstandene Schlacke, Schweißspritzer und andere Überreste.
Häufig ist es ausreichend, zu einer einfachen Handbürste zu greifen und damit die Schweißstelle gründlich abzubürsten. Wenn Sie die Optik der Schweißnaht verbessern möchten, können Sie die betreffende Stelle auch schleifen und dann polieren. Schleifpapier mit einer Körnung von etwa 200 sollte hierfür ausreichend sein. Tragen Sie abschließend einen geeigneten Korrosionsschutz (z. B. Zinkspray oder Metallschutzlack) auf, damit die erhitzte Stelle keinen Rost ansetzt.
